Rettungshunde Info

Welpy muss so früh wie möglich auf seine eventuelle Aufgabe als Rettungshund vorbereitet werden. Hier einige Tipps, wie möglichst vorgegangen werden sollte. Es muss selbstverständlich immer darauf geachtet werden, dass wir Welpy nicht überfordern und der gemeinsame Spaß an der Arbeit im Vordergrund steht.

Geräuschgleichgültigkeit trainieren

Langsam und ruhig anfangen. zunächst nur in die Hände klatschen und alles ignorieren. Wenn Welpy wegläuft, warten und das nächste Mal leiser klatschen. Lärm und Geräusche als normal ansehen, Hund nicht herzen oder sogar 'trösten'. Dann muss ja doch etwas 'Schlimmes' passiert sein. Die Geräusche können nach und nach unter Berücksichtigung des Verhaltens von Welpy gesteigert werden (Topfschlagen, Rasenmäher, Fön, Staubsauger). Da Geräusche ja normal sind, hier auch nur verhalten belohnen!

Sozialisierung vornehmen

Alle Hundeplätze der Umgebung aufsuchen, damit Welpy Kontakt zu anderen Hunden und Rassen erhält. Ggf. auch unter Aufsicht spielen lassen

Nasenarbeit fördern

Leckerli oder Spielzeug verstecken. Am Anfang superleichte Verstecke und dann: Freude, Spiel, Spaß und Leckerli (FreuSpiSpaLe). Aufpassen, dass der Hund immer mit Spannung bei der Sache ist. Nicht ins 'Leere' laufen lassen. Lieber viele kleine Sucheinheiten (und Erfolge) als eine Riesensuche.

Tragen und Übergabe an Fremdperson üben

Wann sonst, wenn nicht als 3-Kilo-Welpe? Wichtig ist der Griff. Möglichst mit der Hand an die Brust und die andere Hand greift unter der Rute hindurch an die Hinterhand. Der Hund liegt dann mit der Brust auf unserem einen Unterarm und mit dem Hintern und der Ellenbeuge des anderen Arm. Wegrutschen oder Durchrutschen ist so nicht möglich. Das Tragen ist möglichst mit einem Kommando (z.B. 'Tragen' oder 'Arm') anzukündigen, damit Welpy weiß, was als nächstes passiert. Nach dem Tragen soll der Hund nicht sofort wegrennen, sondern sich angewöhnen, stehen zu bleiben, bis er gehen darf oder abgerufen wird. Das Tragen ist auch von anderen Familienmitgliedern und dann von Fremden vorzunehmen. Während des Tragens den Hund mit Superleckerli belohnen, wenn er ruhig im Arm liegt.

Wenn das geschafft ist, die Übergabe trainieren. Das hier mit großer Umsicht vorzugehen ist und der Hund keinesfalls fallen gelassen werden darf, ist selbstverständlich. Falls es doch passiert ist, möglichst neutral reagieren, Spielsequenz einlegen und weiterarbeiten.

Sobald das Tragen problemlos klappt, sollte eine Fremdperson beginnen, Welpy zu tragen. Vorher natürlich Kontakt aufnehmen und mit Welpy spielen oder Leckerli geben.  Das Tragen wird am besten von einer Bank oder einem Tisch aus vorgenommen, damit Welpy nicht beim Aufnehmen so bedrängt wird. Zeigt sich Welpy ängstlich, darf das Tragen durch die Fremdperson nicht erzwungen werden. Danach natürlich wieder FreuSpiSpaLe.

Wenn auch das normale Tragen klappt, kann mit der Übergabeübung begonnen werden. Welpy wird hierbei vom Hundeführer aufgenommen und der Fremdperson übergeben. Nach der Übergabe wird Welpy vom Hundeführer weiter gelobt und bestätigt, wen er ruhig im Arm liegt.

Jagdreinheit anerziehen

Im 8. bis 12. Lebensmonat entwickelt der Hund seine Jagdleidenschaft (oder eben nicht) auf die wir wesentlich Einfluss nehmen müssen. Verboten sind alle Jagdspiele, wie Bälle werfen, Frisbee spielen, hinter Blättern oder sogar Tieren herrennen. Der Hund darf nicht alleine ohne Aufsicht seine Welt erkunden (mal eben in den Garten lassen!). Wir können dann nicht einwirken und haben nachher die Bescherung. Jagen ist 'selbstbelohnend'. Das bedeutet, dass wir einem Hund, der erst einmal mitbekommen hat, wie toll jagen ist, dieses mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr abgewöhnen. Das heißt, dass wir ihn dann ständig an der Leine führen oder bespielen müssen.

Arbeitsfreude entwickeln

Welpy muss gefordert werden. Hier sind unserer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Alles was Spaß macht und dem Hund keinen Schaden zufügt, ist erlaubt. Wichtig hierbei ist insbesondere das häufige gemeinsame Spiel mit unserem Hund. Früh beginnen, auch Fremdpersonen mit dem Hund spielen zulassen.

Hundeboxtraining

Die Hundebox ist für Arbeitshunde ein wichtiger Rückzugsraum. Hier kann er sich, von den Umwelteinflüssen gut abgeschirmt, ausruhen. Dafür muss er aber auch gerne dort hineingehen. Daher fangen wir möglichst früh an, den Hund an eine Box zu gewöhnen. Welpy darf erst einmal alles selber erkunden. Die Neugier kann man verstärken, wenn man Leckerli oder sogar seine Hundedecke hineinlegt. Geht er sogar in die Box rein =>FreuSpiSpaLe. Keinesfalls Welpy sofort die Tür vor der Nase zumachen!! Das kommt erst, wenn er mehrfach ohne großes TamTam in die Box gegangen ist. Wenn die Tür dann wieder aufgemacht wird, verhalten wir uns neutral, weil es ja 'normal' ist, in der Box zu sein.

Spieltrieb fördern

Spielen, bevor es Fressen gibt, geeignetes Spielzeug suchen, möglichst normale Leder-Beißwurst - also nichts Besonderes. Beim Spielen darauf achten, dass Welpy mit dem Spielzeug zurückkommt und weiterspielt. Nicht übertreiben! Nach der Spielsequenz kommt das Super-Spielzeug weg, damit es auch das Super-Spieleug bleibt!

Menschenkontakt

Häufiger positiver Kontakt mit Menschen fördert das Vertrauen und die Leidenschaft, Menschen zu suchen. Daher sollte Welpy oft mit fremden Personen (z.B auf dem Hundeplatz) spielen. Auf ein welpengerechtes Spiel achten: Nicht reißen, nicht das Genick überstrecken, ruhige Zerrspiele, bei dem Welpy gewinnt, sind erlaubt. Selbstverständlich wird bei der Gelegenheit trainiert, dass Welpy mit seiner 'Beute' nicht abhaut und sie auch auf Kommando abgibt -dann immer FreuSpiSpaLe.

Kenndecke anziehen üben

Billige Kenndecke oder Hundegeschirr o.ä. besorgen und das Anziehen trainieren. Wenn es gut geklappt hat: FreuSpiSpaLe. Hund unter Aufsicht etwas damit laufen lassen. Hierbei darauf achten, dass Welpy nicht versucht das Ding abzustreifen o.ä. Ggf. mit Leckerli oder Spielzeug ruhig ablenken. Dann das Ausziehen trainieren. Wenn das gut geklappt hat => FreuSpiSpaLe.

Wesensfestigkeit trainieren

Das unser angehender Rettungshund über eine angeborene hohe Wesensfestigkeit verfügen muss, ist selbstverständlich. Im Laufe des Heranwachsens müssen wir diese weiter fördern, indem wir den Welpy mit möglichst vielen ungewöhnlichen Situationen konfrontieren (in Schubkarre springen, später auch fahren, Gewitter angucken, mit Blechdose spielen, durch Flattervorhang gehen, unangenehmes Material übergehen, Bahn und Bus fahren, auf einer Decke getragen werden, etc). Die Aktionen müssen mit einer Selbstverständlichkeit durchgeführt werden, dass Welpy überhaupt nicht auf die Idee kommt, dass das, was er dort macht, etwas Besonderes ist. Bei den Übungen gilt, dass kein Zwang ausgeübt werden darf. Macht der Hund die Übung ohne groß nachzudenken, nur verhalten loben. Hat er sich überwinden müssen, FreuSpiSpaLe - Übung nicht am selben Tag wiederholen!!!

'Aus-Schalter' finden

Welpy soll gerne und freudig arbeiten. Wir arbeiten daher ausschließlich über den Beutetrieb. Das hat dann allerdings sehr schnell die Folge, dass nur ein kleiner Reiz (Hundejacke anziehen, Trainingsbeutel packen, am Hundeplatz vorbeifahren) ausreicht, um den Hund dazu zu bringen, 'aufzudrehen'. Für die Arbeit sicher sehr schön, aber auch nur dafür. Unsere Aufgabe ist es daher, den Hund zum richtigen Zeitpunkt 'Starten' zu können bzw. auf ihn einwirken, wenn er zum falschen Zeitpunkt aufdreht oder sogar überdreht.

Welpy muss lernen: Gearbeitet wird erst, wenn der Rudelchef das 'Go' gibt. Das heißt: es wird nicht mit strammer Leine auf den Hundeplatz gestürmt oder die Kenndecke wird nicht angezogen, solange der Hund mit lautem Geheul hin und her springt etc.

Weiterhin muss dem Hund ein 'Cool-down'-Kommando konditioniert werden - z.B. ein lang gezogenes 'Ruuuuuhiiiig', das mit einem Handzeichen z.B. 'Flache Hand', kombiniert wird.  Beruhigt sich der Hund, muss auch ruhig gelobt werden; maximal Leckerli.

Für die Konditionierung eines 'Aus-Schalters' bedarf es viel Einfühlungsvermögen, Konsequenz und Geduld.